Erlöserkirche

Quelle: Evangelische Krichengemeinde Attendorn

Gestern hatte die Evangelische Gemeinde anlässlich des hundertsten Jubiläums der Erlöserkirche zu einem interessanten Vortrag geladen. Stadtarchivar Otto Höffer referierte über „Attendorn vor 100 Jahren“. Er nahm dabei viele interessierte Zuhörer mit auf eine spannende Zeitreise. Vortrag und historische Fotos regten zum Nachdenken an. Drei Gedanken möchte ich kurz erwähnen:

  1. Die Jahre vor dem Ersten Weltkrieg müssen auch in Attendorn eine Boomzeit voller Glauben an den Fortschritt gewesen sein. Das Wachstum von Wirtschaft und Bevölkerung überschlug sich fast. Aber auch das Gemeinwesen entwickelte sich kräftig. Davon zeugen nicht nur die herrlichen Gründerzeitvillen an der Promenade. Steingewordene Zeugnisse sind auch die Erlöserkirche, der Altbau des Rivius, die Listersperrmauer, die Ennester Schützenhalle oder das Konvikt, allesamt 1914 oder kurz zuvor entstanden. Es beeindruckt mich immer wieder, wie viel Geld damals in ganz Deutschland allein in den Bau von prächtigen Schulen und Universitäten gesteckt wurde. Die hundertjährigen Jubiläen der Karnevalsgesellschaft und Prinzengarde Attendorn, des MGV Sauerlandia sowie der Feuerwehren in Helden und Ennest im letzten Jahr belegen den Gemeinsinn unserer Vorfahren in jener Zeit.
  2. Und doch wurde diese Blütezeit durch einen überschäumenden Nationalismus, der geradewegs in den Ersten Weltkrieg führte, zunichte gemacht. 1914 zogen auch in Attendorn viele junge Männer arglos und voller Idealismus in den Krieg. Erst mit der Zeit begriffen die Menschen, welche Opfer und Entbehrungen auf sie zukamen. Und noch viel länger dauerte es, bis sich die Erkenntnis durchsetzte, dass Frieden und Wohlstand auf Dauer nur durch Freundschaft mit den europäischen Nachbarn, vor allem mit Frankreich, zu erreichen waren.
  3. Trotz der wechselvollen Geschichte in einem ganzen Jahrhundert kam mir vieles im Vortrag von Otto Höffer vertraut vor. Straßenansichten, den von Brauchtumsfesten gegliederten Jahresablauf, sogar einige Handwerkerfirmen, welche die Erlöserkirche bauten, gibt es heute noch. Das stimmt mich zuversichtlich. Eine Stadt, die so starke Wurzeln hat, kann weiter wachsen. Und wenn wir aus den Fehlern von 1914 lernen, können wir unser Gemeinwesen dauerhaft zur Blüte bringen.

Otto Höffer und der Evangelischen Gemeinde danke ich für eine lehrreiche Geschichtsstunde.

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