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Am vergangenen Sonntag erschien im Sauerlandkurier folgendes Interview, das Andrea Vollmert mit mir nach etwa 100 Tagen im Amt geführt hat.

  • Sauerlandkurier (SK): „Als neuer Bürgermeister der Hansestadt Attendorn sind Sie sicherlich mit bestimmten Erwartungen ins Amt gestartet. Welche haben sich bestätigt? Mussten sie schon einige Pläne „über Bord werfen“?“

Christian Pospischil (CP): „Meine Erwartung hat sich erfüllt, dass das Amt des Bürgermeisters ein sehr abwechslungsreiches und spannendes ist. Mir macht es großen Spaß, die Geschicke der Stadt an verantwortungsvoller Position mitsteuern zu können. Große Pläne musste ich noch nicht über Bord werfen. Aber im Detail erfährt man immer wieder, dass sich Dinge nicht so schnell regeln lassen, wie man es gern hätte.

  • SK: „Was war Ihre erste Amtshandlung vor 100 Tagen?“

CP: „Als erstes musste ich zusehen, dass ich den Stapel auf meinem Schreibtisch abarbeite. Nein, im Ernst: Ich habe sofort angefangen, erste Gespräche in allen Ämtern des Rathauses zu führen, um das Rathaus und die dort handelnden Personen, ihre Aufgaben und vielleicht auch ihre Probleme, näher kennenzulernen.

Außerdem habe ich mich bemüht, auch meine Ansprechpartner außerhalb des Rathauses persönlich kennenzulernen. Dazu führe ich derzeit noch Gespräche mit den lokalen Vertretern von Kirchen, Arbeitgebern, Gewerkschaften, Firmen, Schulen, Behörden oder Vereinen.“

  • SK: „Sie sind mit 33 Jahren ein extrem junger Bürgermeister. Wie wirkt sich das Ihrer Meinung nach auf Ihre Amtsführung aus?“

CP: „Jeder Bürgermeister, der neu ins Amt kommt, gerade aber ein sehr junger Bürgermeister, sollte nicht so tun, als ob er alles besser wüsste als seine Mitarbeiter oder die Bürger. Es ist wichtig zuzuhören, zu lernen, sich dann aber seine eigene Meinung zu bilden und zu entscheiden.“

  • SK: „Im Wahlkampf haben Sie versprochen, die Bürger in Zukunft enger in die Entscheidungsfindung einzubeziehen. In welcher Form ist Ihnen das bisher gelungen?“

CP: „Ein beherrschendes Thema der ersten 100 Tage war die geänderte Verkehrsführung in Attendorn. Wir haben die schriftlichen Reaktionen aus der Bürgerschaft gesammelt. Nicht zuletzt von den vielen negativen Rückmeldungen habe ich meine Entscheidung abhängig gemacht, für eine Aufhebung der Straßensperrungen im Schwalbenohl und in Ennest zu stimmen. Auch bei unserer Bewerbung für das Leader-Programm oder die Innenstadtentwicklung setzen wir auf die Ideen der Bürgerinnen und Bürger.“

  • SK: „Einige Themen sind kurz vor der Wahl in Attendorn sehr hochgekocht – seither hat man nicht mehr viel davon gehört. Wie sind die Pläne für eine Städtepartnerschaft mit dem Operndorf, mit dem Innenstadtentwicklungskonzept und der Waldenburger Bucht?“

CP: „Ich bemühe mich, es kurz zu halten:

Thema: Operndorf Burkina Faso: Der Rat hat Ende letzten Jahres die Verwaltung beauftragt, Rahmenbedingungen für eine Partnerschaft mit dem Operndorf ergebnisoffen zu prüfen. Das wird derzeit getan. In der einem der nächsten Sitzungsblöcke werden wir dem Rat eine Beschlussvorlage vorlegen, die den Weg zu einer möglichen Partnerschaft beschreibt. Dann ist es mit der Ergebnisoffenheit vorbei und der Rat muss entscheiden, ob er diesen Weg gehen will oder nicht.

Thema: Innenstadtentwicklungskonzept: Derzeit wird vom Fachplanungsbüro MWM ein konkreter Entwurf für ein umfassendes Innenstadtentwicklungskonzept erarbeitet. Das geht nicht von heute auf morgen, zumal die Planer dabei über 1000 Vorschläge der Bürgerinnen und Bürgern hin prüfen müssen. Anfang 2015 soll der Entwurf für das Konzept der Öffentlichkeit in einer zweiten Stadtkonferenz vorgestellt und diskutiert werden. Noch in diesem Jahr soll das zugrunde liegende Parkraumkonzept in der Politik beraten werden. Und da Sie von „Hochkochen vor der Wahl“ gesprochen haben. Der Rat hat im Juli bei nur zwei Gegenstimmen beschlossen, von einer Bebauung des Klosterplatzes mit einem großflächigen Gebäude abzusehen.

Thema Waldenburger Bucht: Bereits in diesem Jahr wurden der Campingplatz und das Strandbad privat und nicht mehr durch die Biggesee GmbH geführt. Dieselbe Firma plant ein Ferienhausgebiet gegenüber dem Campingplatz. Zurzeit wird der ökologische Fachbeitrag für das notwendige Bebauungsplanverfahren erarbeitet. Von städtischer Seite ist geplant, im Bereich der Schiffsanlegestelle im nächsten Jahr einen Spielplatz anzulegen. Ich freue mich, dass wir dann endlich den ersten Spielplatz in der Waldenburger Bucht bekommen.“

  • SK: „Die Planungen rund um ein Bürgerhaus im Attendorner Bahnhof haben in den vergangenen Jahren viel Zeit in Anspruch genommen. Konnten Sie während ihrer ersten 100 Tage im Amt hier eine Wende herbeiführen?“

CP: „In diesen 100 Tagen haben wir einen intensiven und offenen Austausch zwischen Verein und Verwaltung erreichen können. Der Planungsprozess geht seinem Ende entgegen. Im Oktober findet ein letzter Workshop statt, der letzte Hand an den Rahmenwirtschaftsplan legt. Danach muss die Politik entscheiden, ob sie das Projekt unter den Bedingungen dieses Rahmenwirtschaftsplans will. Ich möchte mich dafür einsetzen, dass Attendorn dieses Kultur- und Begegnungszentrum auf einer tragfähigen wirtschaftlichen Grundlage bekommt.“

  • SK: „Sie haben bereits zweimal gegen die Meinung der SPD gestimmt. Wie viel SPD steckt „noch“ im Bürgermeister Christian Pospischil?“

CP: „Ich habe vor der Wahl gesagt, dass ich mein Amt überparteilich und pragmatisch führen will. Deshalb kann es immer wieder passieren, dass ich in einzelnen Sachfragen gegen die Meinung der SPD-Fraktion abstimme.“

  • SK: „Welches größere Projekt möchten Sie in den kommenden 100 Tagen angehen?“

CP: „Ich höre jetzt auf, in Kategorien von 100 Tagen zu denken. Aber Scherz beiseite: Es ist wichtig, dass wir zügig im Rat ein schlüssiges und kundenfreundliches Parkraumkonzept beschließen. Mir ist es ernst mit dem Ziel, mehr Parkplätze an den Porten bereitzustellen, um die Innenstadt vom Verkehr zu entlasten und attraktiver gestalten zu können. Deshalb wünsche ich mir, dass wir noch in diesem Jahr den Bau der lange diskutierten Parkpalette am Feuerteich beschließen.“

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