Innenstadt

Am letzten Donnerstag beschloss der Rat der Hansestadt Attendorn das Innenstadtentwicklungskonzept. Ich freue mich, dass wir damit einen Meilenstein auf dem Weg zu einer attraktiveren, aufpolierten Innenstadt hinter uns bringen konnten. Meine einleitenden Worte an die Stadtverordneten finden Sie untenstehend.

 

Sehr geehrte Stadtverordnete!

Etwa eineinhalb Jahre nach der Präsentation eines ersten Entwurfes für das Innenstadtentwicklungskonzept liegt Ihnen heute das Konzept zur Entscheidung vor. Mit der Vorarbeit durch eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe innerhalb des Rathauses wurde also etwa zwei Jahre lang an diesem Konzept gearbeitet.

Man könnte sagen: Kein Wunder, dass es in dieser Zeit so dick geworden ist. Ich meine aber, das Konzept nicht nur dick, sondern auch eine runde Sache. Das haben wir allen zu verdanken, die daran mitgewirkt haben. Ich möchte diesen Dank erstens an die Bürgerinnen und Bürger richten, die sich in großer Zahl und intensiv an den Planungen beteiligt haben und dabei viele Anregungen eingebracht haben, die ihren Niederschlag im Konzept gefunden haben. Zweitens bedanke ich mich bei den externen Experten, namentlich bei Herrn Niedermeier und dem Büro MWM sowie Herrn Runge und dem Büro Runge und Küchler, die uns mit ihrer fachlichen Expertise unterstützt haben. Und drittens möchte ich mich bei meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bedanken, allen voran bei Herr Graumann und dem gesamten Baudezernat, aber auch im Besonderen bei Herrn Waschke und den Kollegen des Amtes für Planung und Bauordnung sowie bei Frau Meyer und der Stabsstelle für Stadtteilmanagement und Demographie. Hier im Haus wurde die Ursprungsplanung entwickelt und immer wieder verbessert, die Fäden zusammengeführt, der Prozess organisiert und gerade vor öffentlichen Präsentationen haben die Kolleginnen und Kollegen Stunde um Stunde mit der Arbeit an den letzten Details verbracht. Dafür meinen herzlichen Dank!

Mit großem Engagement aller ist es gelungen, so den Zeitplan bis zur Verabschiedung des Konzeptes einzuhalten und den nötigen Antrag auf Städtebaufördermittel zur nächsten Förderperiode stellen zu können.

Meine Damen und Herren,

es ist Unsinn, hier noch einmal das Konzept auch nur in Grundzügen vorstellen oder zu einzelnen Maßnahmen Stellung nehmen zu wollen. Dies würde zu weit führen und ist hinlänglich geschehen. Gestatten Sie mir aber noch mal einen kurzen Blick auf Ausgangslage und Zielsetzung des Konzeptes.

Wir leben in einer Stadt, die gerade heute erst wieder beim Start der Oldtimer-Rallye gerade von Besuchern als Schönheit wahrgenommen wird. Sie ist aber in die Jahre gekommen und wird als funktional eingeschränkt wahrgenommen. Vor allem wird seit Jahren bemängelt, dass

  • Umsätze, aber auch das Angebot in Einzelhandel und Gastronomie zurückgehen,
  • Straßen und Plätze zu wenig Aufenthaltsqualität bieten,
  • Verkehr und Parkraum ungenügend geordnet sind und viel zu viel Parksuchverkehr entsteht,
  • Freizeitmöglichkeiten und Kulturangebote fehlen,
  • die östliche Innenstadt nicht ausreichend mit der Altstadt verzahnt ist,
  • die Stadt baulich an den demographischen Wandel angepasst werden muss.

All diese Defizite sind schon länger bekannt. Aus dem politischen Raum erhoben sich von allen Fraktionen immer wieder Forderungen nach Abhilfe auf bestimmten Feldern, als Stichworte nenne ich: Parkraumkonzept, Konzept für eine barrierefreie Innenstadt, Trittsteinkonzept.

Es wäre möglich, aber nicht zielführend gewesen, isolierte Antworten auf diese Herausforderungen zu geben. Aber das Innenstadtentwicklungskonzept hat gerade einen integrativen Ansatz, in dem alle Konzepte miteinander im Abgleich stehen. Kein Trittsteinkonzept ohne Änderung der Verkehrsführung. Kein Einzelhandelskonzept ohne Parkraumkonzept und umgekehrt. Weil die Fragen voneinander abhängig sind, müsse es auch die Antworten sein.

In einem zweiten Sinne umfassend ist das Konzept auch im räumlichen Sinne. Vergangene Sanierungen in der Innenstadt haben zweifellos Erfolg gehabt: Ich erinnere an den Bau des Altenheims auf dem früheren Gelände der Firma Kutsch, an die Sanierung der östlichen Innenstadt mit dem Bau von Allee-Center, Mehrgenerationenplatz und Hansehotel oder auch die Einrichtung der Fußgängerzone in der Kölner Straße. Diese Sanierungen waren aber nie auf die gesamte Innenstadt gerichtet. Ich denke, dass wir mit unserem heutigen Konzept thematisch wie räumlich weit über das hinausgehen, wie andere ihre Innenstadt entwickeln. Wenn das Wort vom „großen Wurf“ einmal erlaubt ist, dann hier. Das gilt auch für die Gesamtsumme von über 20 Mio. Euro, die wir inklusive der Städtebaufördermittel in unsere Innenstadt investieren wollen.

Hinzukommen sollen – und das ist eine notwendige Bedingung für das Gelingen des Konzeptes – private Investitionen in Gebäude, Einzelhandel und Gastronomie. Die Stadt kann den öffentlichen Raum gestalten und gute Rahmenbedingungen für private Investitionen schaffen. Aber entscheidend für die Attraktivität unserer Stadt wird sein, inwiefern es gelingt, durch Private ein attraktives Einzelhandels- und Freizeitangebot zu schaffen. Und meine Damen und Herren, allein die Aufstellung des Innenstadtentwicklungskonzeptes hat bei potenziellen Investoren großes Interesse am Standort Attendorn ausgelöst. Drehen wir doch mal das Defizit der von hier abfließenden Kaufkraft um, dann haben wir ein großes Kaufkraftpotenzial plus die Kaufkraft der Touristen, das es vor Ort zu binden gilt.

Anfang September hat ein weiteres Gespräch mit der Bezirksregierung stattgefunden. Die Vertreter der Bezirksregierung zeigten sich durchaus beeindruckt vor allem von der nicht nachlassenden Bürgerbeteiligung bei verschiedenen Stadtkonferenzen und Workshops. Offensichtlich kam hier ein hoher Leidensdruck mit dem engagierten Bürgersinn der Attendorner zusammen. Viele Anregungen fanden den Weg ins Konzept – um nur einige wichtige zu nennen: Die Gestaltung des Klosterplatzes als Aufenthaltsplatz, die Abbindung des Seewerngrabens vor der Erlöserkirche oder die Nutzung des Tangels für den Einzelhandel – aber sicherlich nicht alle. Neben der Tatsache, dass man sich für eine von sich widersprechenden Ideen entscheiden muss, waren auch verschiedene Vorschläge nicht mit den erarbeiteten Zielen vereinbar. Ich danke jedenfalls auch den Bürgern, deren Vorschläge wir nicht aufgreifen konnten, und hoffe und meine, dass wir durch die Erarbeitung der Ziele für einen transparenten und logischen Abwägungsprozess gesorgt haben.

Gestatten Sie mir zum Schluss ein Blick auf die finanzielle Seite und die Umsetzung. Die Umsetzung des Innenstadtentwicklungskonzeptes erstreckt sich auf neun Jahre bis zum Jahr 2023. Schon aus haushaltsrechtlichen Gründen müssen die Maßnahmen für jedes kommende Jahr im Zuge der Haushaltsaufstellung und der Beratung des Bauprograms beschlossen werden. Wir engen also nicht die Entscheidungsfreiheit für Sie in den kommenden Jahren bzw. für Ihre Nachfolger ab 2020 ein. Aber eine Richtung schlagen wir heute ein. Änderungswünsche müssen sich an der heutige Vorlage messen lassen. Und auch wenn sachbedingt oder haushaltsbedingt Abstriche an der Umsetzung des Konzeptes gemacht werden müssen: Investitionen in eine attraktivere Innenstadt sind notwendig, wenn Attendorn in der Zukunft weiter erfolgreich bleiben will. Ich bin gewillt, der Umsetzung auch finanziell die entsprechende Priorität einzuräumen. Oder wie Thomas Edison sagte: „Der Wert einer Idee liegt in ihrer Umsetzung.“

Darin bestärken uns auch Äußerungen von Attendorner Unternehmen. Wenn wir die Innenstadt nicht attraktiver gestalten, wenn sich Attendorn nicht auch als Dienstleistungsstandort positiv entwickelt, dann wird sich auch der Industriestandort Attendorn nicht weiter entwickeln, weil die dafür benötigten Fachkräfte auf Dauer nur in einer attraktiven Standort arbeiten wollen. Mit einem Satz: Auch die Industrie braucht eine attraktive Innenstadt.

Meine Damen und Herren,

im Jahr 2022 feiert unsere Stadt ihr 800-jähriges Jubiläum. Dann ist der Zeitplan noch nicht ganz abgearbeitet, aber die zentralen und wesentlichen Maßnahmen des Innenstadtentwicklungskonzeptes sollten bis dahin abgeschlossen sein. Wenn wir es bis dahin geschafft habe, dass Attendorn seinen unverkennbaren historischen Charme bewahrt und sogar aufpoliert hat, aber trotzdem ein Ort geworden ist, wo Einheimische wie Gäste gern einkaufen, Kultur und Gastronomie erleben, wohnen, flanieren und sich treffen, dann hat das Innenstadtentwicklungskonzept Erfolg gehabt. Ich bin überzeugt davon, dass das vorliegende Konzept dafür die richtige Grundlage ist.

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