Es war eine Stunde, die unter die Haut ging. Am Mittwoch durfte ich miterleben, wie wir auf dem Jüdischen Friedhof eine Gedenkstele für die unbestatteten Juden aus Attendorn, die im Holocaust umkamen, einweihten. Die Anwesenheit von 50 Nachfahren der Familie Ursell, die aus vier (!) verschiedenen Kontinenten eigens zu diesem Anlass nach Attendorn gekommen waren, machte daraus etwas ganz Besonderes.

Für Attendorn und vor allem die Initiatoren der Aufstellung der Stele, Tom Kleine und Hartmut Hosenfeld, konnte es keine größere Anerkennung für Ihre Initiative geben. Gleichzeitig zeigten sich die jüdischen Besucher dankbar und gerührt, dass das Schicksal ihrer Vorfahren in Attendorn nicht vergessen ist. So entwickelte sich eine würdevolle Feierstunde unter großer Beteiligung auch der Attendorner Bevölkerung, die gleichzeitig hochemotional und aufwühlend, und dennoch versöhnlich, friedvoll und fast heiter wirkte.

Neben der Enthüllung der Stele, Reden auch von Hinterbliebenen sowie Lied- und Gedichtvorträgen war es ein Höhepunkt der Feierstunde, als Phil Ursell aus Kalifornien Hartmut Hosenfeld, der in der Aufarbeitung der jüdischen Geschichte eine Lebensaufgabe gefunden hat, zurief: „Du hast uns geholfen, unsere eigene Familie besser kennenzulernen. Du bist ein Ursell.“

Die Einweihung der Stele war der Höhepunkt des Projektes „Shalom Attendorn 2018“, mit dem nicht nur Geschichte aufgearbeitet wird, sondern auch durch ein buntes Veranstaltungsprogramm ein Zugang zum lebendigen Judentum geschaffen werden soll. Ich danke Hartmut Hosenfeld und Tom Kleine für diese tolle Initiative, die so viele in Attendorn mitgerissen hat. Für mich war es keine Frage, dies von Seiten der Stadt nach Kräften zu unterstützen. Damit stellen wir uns nicht nur unserer Verantwortung vor der Geschichte – 80 Jahre, nachdem auch in Attendorn Juden während des November-Pogroms misshandelt und entrechtet wurden. Wir wollen damit auch zeigen, dass das Judentum zu Attendorn gehört, und dass eine wahrhaft menschliche Gesellschaft nur dann entsteht, wenn jeder Gruppe in ihr, sogar jedem einzelnen, seiner Herkunft und Individualität Aufmerksamkeit und Anerkennung entgegenbracht wird.

(Quelle der Fotos: Barbara Sander-Grätz, Lokalplus)

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