Liebe Attendornerinnen und Attendorner,

oft sagen wir ironisch, dass wir uns den Weltfrieden wünschen oder auf ihn anstoßen. Ich glaube aber am Ende des Jahres, dass wir in Attendorn im Jahr 2018 wirklich einen Beitrag für Frieden und Versöhnung geleistet haben.
Im Herbst durfte ich die ersten gegenseitigen Besuche größerer Gruppen aus Attendorn und der polnischen Rawicz miterleben. Es wäre übertrieben zu sagen, dass es dabei um die Aufarbeitung der Verbrechen ging, welche die Nazis den Polen angetan haben. Nein, es ging eher um das Hier und Heute. Doch die Kontakte mit den Menschen aus Rawicz, entstanden in einer ansteckend fröhlichen Atmosphäre, lassen es ein Stück mehr unvorstellbar werden, dass noch einmal der eine Nachbar dem anderen so etwas antut.

Ebenfalls im Herbst fand die Veranstaltungsreihe „Shalom Attendorn 2018“ statt. Rund um die Enthüllung einer Gedenkstele für die unbestatteten Opfer des Holocaust aus Attendorn fand ein ganzer Reigen von Veranstaltungen statt, die sich mit der jüdischen Geschichte und Kultur beschäftigten. Der emotionale Höhepunkt war die Enthüllung der Stele, als sich im November die fürchterliche Reichspogromnacht zum 80. Mal jährte. Etwa 50 Nachfahren der früher in Attendorn ansässigen jüdischen Familie Ursell waren eigens dazu aus vier Kontinenten (!) angereist. Jeder der Teilnehmer dieser denkwürdigen Feierstunde wird bezeugen: Es schwebte ein Geist von Frieden und Versöhnung über dem Jüdischen Friedhof. Die Nachfahren der Ursells waren dankbar für die Initiative zur Aufstellung der Stele, wir waren dankbar für ihre Anwesenheit und die damit verbundene Anerkennung für das Projekt.

Das zeigt: Versöhnung ist möglich. Egal, wie schlimm die Verletzungen aus der Vergangenheit sind, wenn wir uns überwinden, einen Schritt aufeinander zuzugehen, dann können wir eine neue, eine bessere Welt schaffen helfen.

Liebe Attendornerinnen und Attendorner,

zur Weihnachtszeit möchte ich uns allen wünschen, dass wir in Attendorn einen Schritt aufeinander, aber auch einen Schritt auf andere zugehen. Ich wünsche mir, dass wir im Geiste dieser wunderbaren Begegnungen in diesem Jahr weiter an unserem Beitrag zu Frieden und Versöhnung in der Welt arbeiten. Aber nicht nur in der Welt, sondern auch bei uns zu Hause, in unseren Familien, Nachbarschaften und in unserer Stadt. Dabei bin ich den vielen Menschen in Attendorn dankbar, die sich in unterschiedlichster Form für Frieden und Versöhnung engagieren, besonders denen, die sich in diesem Jahr für die Partnerschaft mit Rawicz und „Shalom Attendorn 2018“ engagiert haben.

Ich wünsche Ihnen allen ein frohes Weihnachtsfest im Kreise Ihrer Lieben, einen guten Rutsch und im neuen Jahr alles Gute, Gesundheit und Gottes Segen. Lassen Sie uns im neuen Jahr gemeinsam für Frieden und Versöhnung eintreten. Im Weihnachtsevangelium verkündet der Engel den Hirten den Frieden auf Erden, in diesem Sinne rufe ich Ihnen das letzte Mal im Jahr 2018 zu: Shalom Attendorn!

(Quelle Titelbild: https://attendorner-geschichten.de/2018/11/09/adventskalender-advent-in-vier-farben/)

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