auf dem Sprung

Untenstehend auch hier mein Interview mit der Westfalenpost über die aktuellen Diskussionen über unsere Innenstadt in Attendorn. Das Fazit: Bei allem Verständnis für den Unmut während der Baustellenzeit: Wir brauchen den Mut zur Veränderung, wenn wir unsere Stadt attraktiver machen wollen.

Frage: Die jetzt in Angriff genommene Umsetzung des Innenstadtentwicklungskonzeptes mutet den Bürgern einiges zu. Es wird viel geschimpft. Im Zentrum der Kritik steht meistens die Verwaltung. Zu Recht?

CP: Nein. Ich habe Verständnis dafür, dass die Baustellen mit all ihren Unannehmlichkeiten Unmut bei den Bürgern erzeugen. Es sollte aber nicht die Verwaltung zum Sündenbock abgestempelt werden, die nun für alles Negative verantwortlich gemacht wird. Ohne einen Anspruch auf Fehlerlosigkeit erheben zu wollen möchte ich feststellen: In der Attendorner Innenstadt bewegt sich endlich was, und zwar gewaltig! Das Innenstadtentwicklungskonzept, das von der Verwaltung unter großer Bürgerbeteiligung erarbeitet und vom Rat beschlossen wurde, betrachten die Fördergeber bei Landes- und Bezirksregierung als geradezu beispielhaft.

Frage: Sind Sie nach wie vor davon überzeugt, dass das Konzept stimmig ist und angenommen werden wird? Nahezu blechfreie Innenstadt, gebührenpflichtige Parkplätze an den Toren und gebührenfreie Parkplätze irgendwo zwischen Lewa und Recyclinghof?

CP: Es ist schlicht falsch, dass die Innenstadt nahezu blechfrei werden soll. Man kann in Zukunft wie bisher in die Innenstadt fahren und findet dort auch Parkplätze. Lediglich einige Parkplätze fallen höherwertigen Nutzungen zum Opfer. Zum Beispiel fällt die Hälfte der Parkplätze auf dem Tangel der Erweiterung von Rossmann zum Opfer. Die Erweiterung von Rossmann ist aber wichtiger, weil sie die das Warenangebot in der Stadt erweitern und die Fußgängerzone beleben wird. Es werden allerdings an den vier Toren mehr Parkplätze zusätzlich entstehen als innerhalb der Wälle wegfallen.

Die Grundregel für ein vernünftiges Parkkonzept in Attendorn muss sein, dass an den Toren zur Innenstadt (wie z.B. am Feuerteich, aber auch an den anderen drei „Porten“) ein größeres und attraktiveres Angebot von Parkplätzen zur Verfügung steht und die Fahrt ins Gassengewirr der Innenstadt unnötig wird. Wer nicht gut zu Fuß ist, wird aber dort noch immer parken können.

Die Parkgebühren am Feuerteich werden human sein. Dort wird man eine halbe Stunde umsonst parken können, die erste Stunde kostet 30 Cent, jede weitere Stunde 50 Cent. Für Beschäftigte und längere Besuche ist der geplante kostenfreie und in Bahnhofsnähe gelegene Parkplatz „Mühlwiese“ mit zunächst 170 Stellplätzen eine gute Alternative.

Frage: Was ist eine attraktivere Innenstadt wert ohne einen Ankermieter, der die Leute in die Stadt holt? Gibt es Gespräche, wie weit sind sie und gibt es Alternativen zum Standort Alte Post?

CP: Ich glaube nicht, dass es auf einen einzigen Ankermieter an nur einer Stelle ankommt. Vielmehr geht es darum, die Innenstadt an mehreren wichtigen Punkten mit Frequenzbringern zu beleben und insgesamt ein gutes Einkaufsangebot zu bieten. Im Herbst sollen konkrete Ergebnisse vorliegen, mit welchen attraktiven, großflächigen Einzelhandelsangeboten die Standorte Kölner Straße, Wasserstraße und ehemaliger Busbahnhof abgestimmt aufeinander gestärkt werden können. Durch die attraktivere Gestaltung der Innenstadt wird insgesamt eine bessere Grundlage für die Ansiedlung von Geschäften geschaffen.

In der Alten Post und auf deren Vorplatz soll ein gastronomisches Angebot mit Ausstrahlungskraft auf die ganze Stadt entstehen. Der Umbau ist für 2017 vorgesehen. Wir sind in guten Gesprächen. Ich denke, dass wir bis Ende des Jahres Konzept und Betreiber vorstellen können.

Frage: Wann und wo immer über Attendorns Zukunft diskutiert wird, irgendwann wird ebenso regelmäßig wie vergeblich der Kauf der Hoesch-Hallen gefordert. Wird sich daran unter einem Bürgermeister Pospischil etwas ändern?

CP: Eigentlich alle Attendorner sehen die Hoesch-Hallen als einen städtebaulichen Missstand an, und das am Eingang zur Stadt! Das sehe ich genau so. Der Stadtrat hat die Forderungen der Bürger nach Beseitigung der Hoesch-Hallen aufgegriffen und beschlossen, sogenannte vorbereitende Untersuchungen für die Hoesch-Hallen durchzuführen. Diese können den Auftakt für eine Sanierungsmaßnahme bilden mit dem Ziel, das Grundstück anders und besser zu nutzen. In den vorbereitenden Untersuchungen werden dafür zunächst Daten beispielsweise über die gegenwärtige wirtschaftliche Nutzung oder mögliche Altlasten gesammelt. Eine stadtverträgliche Gestaltung des Bereiches gelingt aber nicht von heute auf morgen. Aber auch dieser Weg beginnt mit dem ersten Schritt, und der ist getan.

Frage: Wie bewerten Sie die Diskussion um die Fundamente im Ennester Tor?

CP: Ich verstehe die Sorge der Attendorner um ihr historisches Erbe. Einige wenige schüren jedoch Aufregung ohne Rücksicht auf die Faktenlage. Tatsächlich sind zwei Mauerfundamente gefunden worden, beide auf einer Länge von über fünf Metern. Sofort wurden die Bauarbeiten gestoppt und das Denkmalschutzamt verständigt. Erst als die Archäologen ihre Auswertungen beendet und die Baustelle wieder freigegeben haben, wurden die Bauarbeiten fortgesetzt. Bei der Verlegung einer Leitung musste leider eine der beiden Mauern auf einer Länge von 1,50m durchbrochen werden. Es kann aber keine Rede davon sein, dass das Ennester Tor damit „platt gemacht“ worden ist oder die Stadt etwas zu vertuschen hätte.  Im Gegenteil: Meine Mitarbeiter aus dem Tiefbau und das bauausführende Unternehmen sind sehr verantwortungsbewusst und umsichtig vorgegangen. Das bestätigt übrigens auch das Denkmalschutzamt.

Weil die Fundamente unter der alten und neuen Fahrbahn liegen und der Raum eng ist, ist es nicht möglich, die Fundamente zum Beispiel durch ein archäologisches Fenster sichtbar zu machen. Durch die geplante Gestaltung der früheren Stadttore und Tafeln mit Informationen über die Geschichte und Besonderheiten aller Tore ist es aber möglich, die Bedeutung der früheren Stadttore viel besser als bis jetzt hervorzuheben. Darüber hinaus hoffe ich, dass es möglich ist, den Verlauf der Stadtmauer zwischen Bieketurm und Pulverturm kenntlich zu machen, ähnlich wie es zum Beispiel bei der Berliner Mauer geschehen ist.

Frage: In Attendorn wird stets gemeckert, dass nichts passiert und nichts voran geht, wenn etwas passiert, ist es immer das Falsche. Wie geht man als Bürgermeister damit um.

CP: Wir sind doch mittlerweile schon einen Schritt weiter! 😉 Bis vor drei Monaten hieß es, es passiert nichts, das sagt heute niemand mehr. Und ich glaube, dass mit der Zeit auch immer sichtbarer wird, dass die angestoßenen Veränderungen ineinandergreifen und unsere Stadt attraktiver machen. Natürlich sind es viele Baustellen, natürlich sind Baustellen immer auch mit Lärm, Schmutz, Umleitungen, wegfallenden Parkplätzen usw. verbunden. Aber ich möchte daran erinnern, dass wir uns aufgemacht haben, diesen Weg zu gehen, weil wir unsere Innenstadt dringend wieder mit mehr Leben füllen müssen. Jetzt brauchen wir den Mut zur Veränderung und die Konsequenz, die ausgearbeiteten Konzepte auch umzusetzen. Ich möchte, dass Attendorn zum Stadtjubiläum 2022 schon eine Frischzellenkur bekommen hat, und nicht erst, wenn ich in Rente gehe. Dafür werbe ich als Bürgermeister.

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