In der letzten Woche ist Franz-Josef Gante nach kurzer schwerer Krankheit für viele, auch für mich, überraschend gestorben.

Franz-Josef Gante hatte kein kommunalpolitisches Amt inne. Er war aber seit Jahrzehnten bei fast jeder Ratssitzung als Zuschauer dabei. Damit hat er einen ganz außergewöhnlichen Sinn für bürgerliches Engagement gezeigt. Denn Ratssitzung dauern nicht nur lange, sie sind oft genug auch geprägt von relativ trockenen Themen, dann wieder von ruppigen Debatten. Das macht weder Ratsmitgliedern noch Zuschauern immer Spaß.

Dennoch werden in den Ratssitzungen die wichtigen Angelegenheiten für die Kommune behandelt und wichtige Entscheidungen getroffen. Der von der Bürgerschaft gewählte Rat ist das zentrale Gremium der kommunalen Demokratie. Da ist es unerlässlich, dass sich die Bürger darüber informieren, was im Rat diskutiert und beschlossen wird. Anders ist kein profundes Urteil zu den kommunalen Themen möglich, anders als durch gut informierte Bürger lassen sich Rat und Verwaltung nicht kontrollieren.

Kein Bürger aber war besser und kontinuierlicher informiert als Franz-Josef Gante durch seine regelmäßigen Besuche im Ratssaal. Und nicht nur das: Wo andere höchstens an Angelegenheiten interessiert sind, die sie selbst betreffen, hat er sich die Diskussionen zu allen möglichen Themen angehört. Und wo andere – einfache Bürger genauso wie Ratsmitglieder und Verwaltungsmitarbeiter – mit vorgefertigten Meinungen in eine Debatte gehen und darin höchstens Bestätigung suchen – war Franz-Josef Gante geistig unabhängig genug, sich erst im Laufe der Debatte ein eigenes Bild von einem Thema oder einer Person zu machen. Und das, obwohl er ganz sicher feste politische Grundüberzeugungen hatte.

Franz-Josef Gante war damit ein Vorbild von einem engagierten, wenn auch nicht parteipolitisch aktiven Bürger. Er hat vorgemacht, dass Demokratie nur funktioniert, wenn sich die Bürger informieren, ein eigenes Bild machen, eine eigene Meinung leisten und nicht in allgemeinen Vorurteilen über den Politikbetrieb steckenbleiben. Ich behalte ihn als ein solches Vorbild, aber auch als einen bemerkenswerten Gesprächspartner und echten Attendorner in Erinnerung. Sein Platz im Ratssaal wird nun leider leer bleiben, aber vielleicht regt sein Vorbild andere dazu an, sich ebenfalls desöfteren selbst ein Bild von der Politik in Attendorn zu machen.

Möge er in Frieden ruhen!

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