Umbau des Kloster- und Rathausplatzes – Ausgrabung

Wir Attendorner wussten immer schon, dass Rathaus- und Klosterplatz eine lange Geschichte haben. Aber dass man auf dem Weg ins Rathaus nur wenige Dutzend Zentimeter über jahrhundertealten Skeletten und Weltkriegsmunition über das Pflaster geht, das hätte man doch nicht gedacht.

So war es aber. Die Baumaßnahme, mit der die beiden Plätze deutlich mehr Aufenthaltsqualität erhalten sollen, hat es im wahrsten Sinne des Wortes offen gelegt. Und so waren parallel zu den weiter laufenden Bauarbeiten auf der Großbaustelle in den letzten beiden Monaten sowohl ein Team von Archäologen als auch Mitarbeiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes vor Ort.

Umbau des Kloster- und Rathausplatzes – Ausgrabung

Das Interesse der Archäologen galt vor allem den Funden innerhalb der Grundmauern der früheren Franziskanerkirche. Dort kamen sieben erstaunlich gut erhaltene Skelette zum Vorschein, die womöglich einst in der Klosterkirche bestattet worden sind. Die Skelette wurden in sehr kleinteiliger Feinarbeit freigelegt, derzeit laufen die Untersuchungen, was für Menschen dort in welcher Zeit bestattet worden sind.

Auch die Fundamente der Kirche sind teilweise bei den Bauarbeiten freigelegt worden und erzählen manches darüber, welche Katastrophen wie Stadtbrände oder die Munitionsexplosion von 1945 sie dort überdauert haben. Der Ausgrabungsleiter vor Ort, Sebastian Luke, war so freundlich, mir fachkundig die Funde vor Ort zu erklären. Kleine Ironie der Geschichte: Mit Sebastian Luke war ich in der Schule gemeinsam in der Archäologie-AG, er hat eindeutig mehr daraus gemacht.

Umbau des Kloster- und Rathausplatzes – Ausgrabung

Weniger erfreulich waren die Funde von Munitionsresten aus dem Zweiten Weltkrieg, die im Bereich vor dem Haupteingang lagerten. Nach Kriegsende wurden Munitionsreste gesammelt und unverantwortlicherweise mitten in der Stadt im Keller der Stadtverwaltung gelagert. Bei der Munitionsexplosion am 15.06.1945 bezahlten dies 35 Attendorner mit dem Leben. Offensichtlich aber war damals nicht die gesamte Munition explodiert oder abtransportiert worden, so dass die Reste vom Kampfmittelbeseitigungsdienst unschädlich gemacht werden mussten und endlich weggeschaft wurden.

Ich möchte mich bei allen beteiligten Stellen für die Zusammenarbeit bedanken: Beim Kampfmittelbeseitigungsdienst für seine Arbeit für unsere Sicherheit, beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe und den beteiligten Archäologen für ihren Beitrag zur Erforschung der Attendorner Stadtgeschichte. Die Funde sind wieder ein kleiner Baustein, der die vergangenen Jahrhunderte ausleuchtet, und uns klarmacht, wie wechselvoll die Attendorner Geschichte war, welche Unglücke unsere Stadt immer wieder erlebt, aber letzten Endes auch überdauert hat.

Jetzt steht dem Umbau des Kloster- und Rathausplatzes nichts mehr im Wege, mit dem wir auch diesen Teil der Innenstadt attraktiver gestalten wollen. Die Bürger können sich auf Plätze mit viel Aufenthaltsqualität freuen und gleichzeitig darauf, dass die bewegte Geschichte des Ortes stärker herausgearbeitet wird. So soll das Portal der Franziskanerkirche wieder aufgerichtet werden und die Grundmauern als Relief im Boden sichtbar gemacht werden.

Umbau des Kloster- und Rathausplatzes
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